Reise-Journal

Sommer 2025 - Nordengland & Südschottland

Auf dem Programm standen Ferien, Hundetrainings und Trials in Schottland und Yorkshire. Es war alles perfekt geplant und organisiert - und kam dann doch anders...

 

Am Vorabend der Abreise sollten die Hunde noch einmal richtig bewegt werden. Sie waren aufgeregt, denn mit den ganzen Reise-vorbereitungen wussten sie, das ein neues Abenteuer anstand. Dieser "Nervigkeit" rächte sich, denn beim Einladen ins Auto sprang Kettu derart explosiv, dass er ausrutschte, sein Gleichgewicht verlor, vom Heck runterfiel und auf dem Rücken landete. Sichtlich geschockt stand er auf, bewegte sich zaghaft, hatte offensichtlich Schmerzen. Nach komplettem Abtasten wollte er aber auf seinen Spaziergang. Er konnte sich normal bewegen, wenn auch nur kontrolliert an der Leine. Dennoch machte ich mir Sorgen. Ich beschloss, dass die zwei Tage Zwangsruhe während der Fahrt Kettu gut tun würden und gab ihm nach Absprache mit dem Tierarzt für die kommenden fünf Tage ein Schmerzmittel und Entzündungshemmer.  Die Reise via Frankreich mit dem Eurotunnel nach Folkestone verlief gut, aber es fiel mir auf, dass Kettu sich vorsichtig bewegte und beim zaghaften Sprung auf Sofa/Bett mal kurz winselte. Auch eine steile Treppe machte ihm beim Abwärtsgehen Mühe. So beschloss ich, bei der Ankunft in Kelso einen uns bekannte Tierarzt aufzusuchen. Eine gründliche Untersuchung gab Entwarnung: es schien sich wirklich nur um eine heftige Prellung zu handeln, ohne Einschränkung der Wirbelsäule oder Beteiligung der Bandscheiben. Verordnet wurden eine Woche Leinenpflicht, dann eine Woche Freilauf nur auf Rasen/Wiesen. Erst danach dürfe Kettu uaf dem Moor rennen und bei den Grouse Zählungen mitmachen.
Kettu wäre nicht Kettu, wenn er sich beim ersten bewilligten Freilauf vernünftig verhalten hätte: in hohem Tempo raste er über die Wiese, jaulte auf und kam mit einer zum Glück nur oberflächlichen Wunde an der Brust  zurück. Er war in einen alten, verborgenen Stacheldraht gerannt. Wenn er sich nicht selbst umbringt, dann sorgt er doch bei mir für einen Herzinfarkt. 
Mein Adrenalinspiegel muss sich nach solchen Trainingswochen wieder auf normalem Niveau einpendeln!!! 

 

Geplant war, mit einer ersten Woche bei den Grouse-Zählungen (jeweils Anfang - Ende Juli) das Training anzugehen und die Hunde fit zu kriegen. Kettu fiel schon mal weg. Das heisse Wetter in Schottland machte uns einen weiteren Strich durch die Rechnung, denn aus Rücksicht auf die jungen Grouse wurden die Zählungen kurzfristig um zehn Tage hinaus geschoben. Somit blieb uns nur das Training in den grossen Feldern rund um unser Ferienhäuschen, wo sich unzählige Hasen tummelten. Hasen hetzen dürfen die Hunde nicht, somit wurden die Spaziergänge zu einer grösseren Herausforderung! Dennoch waren wir sehr gut aufgehoben, denn die Besitzer der Ferienunterkunft und des angegliederten Schafzuchtbetriebs waren sehr hundefreundlich und gaben mir die Möglichkeit, ihre eingezäunten Felder zu nutzen. Auch ein erfrischender Bach war in der Nähe, somit konnten die Hunde sich abkühlen.

Ein Ausflug an den Strand war ein grosser Erfolg - so dachte ich zumindest! Erst in der Nacht zeigte sich, dass Liška in jugendlicher Unvernuft zu viel Meerwasser getrunken hatte, was sich negativ auf ihre Verdaung auswirkte...! 

 

In der zweiten Woche waren die ersten Field Trials (Jagdliche Prüfungen) angesagt. Die geplanten Trainings hatten nicht stattgefunden, und es war noch immer sehr heiss. Wer schon mal auf den Hochmooren von Schottland und Nordengland war, weiss, dass es auf dem Moor sehr viel Heather (Erikagewächs) hat, aber weit und breit kein Schatten zu finden ist. Kettu machte noch verletzungsbedingt Pause, und Rasmus habe ich aufgrund der Hitze vom ersten Trial zurückgezogen. Die Gesundheit meiner Hunde geht vor und bei noch ungenügender Fitness wollte ich kein Risiko eingehen. Diese Hunde strengen sich über alle Masse an und ihre Körpertemperatur steigt bei diesen Aktivitäten. Wenn sie sich nicht genügend abkühlen können besteht Lebensgefahr.


Die Puppy Trials, an denen ich Liška sehr gerne präsentiert hätte, wurden mangels Anmeldungen mehrheitlich abgesagt. Das war eine Enttäuschung, denn für junge und unerfahrene Hunde wie Liška wären das die idealen ersten Prüfungen gewesen. Da sie nicht untätig im Auto sitzen sollte, habe ich sie statt dessen für die Novice Trials angemeldet. Es zeigte sich jedoch im Verlauf der Woche dass sie sich vom Pfeifen des Partners zu sehr verunsichern liess und ihre Suche jeweils abgebrochen hat. Auch das ist ein schwieriger Lernprozess.
Hingegen durfte sie am einzigen Puppy Trial eine Rosette für "Gun's Choice" entgegen nehmen als der Hund, der beim Gamekeeper den besten Eindruck hinterlassen hat! Darauf war ich schon ein bisschen stolz.

 

Die Field Trial Saison verlief für meine zwei Buben erstaunlicherweise  hervorragend! Es zeichnete sich ab, dass sie erfahren genug sind, um auch ohne nennenswertes Training die gewünschte Leistung zu zeigen. Kettu mit neun Jahren und Rasmus mit bald acht Jahren sind in der Tat alte Routiniers.

Am 19. Juli 2025 fand in Swinton, Yorkshire, das jährliche Irish Setter  Open Stake statt. Zu meiner Freude durfte Kettu, Pinebay Coppersheen Columbus, den THIRD PRIZE in Empfang nehmen. Rasmus wollte nicht im Schatten des Herrn Papa stehen und gab in der Hitze alles: er wurde dafür mit einem CERIFICATE OF MERIT belohnt. Es war ein langer Tag in der prallen Sonne: mit hochrotem Kopf und Sonnenbrand kam ich am Abend in der Unterkunft an. Am nächsten Tag stand die nächste Prüfung an: das Open Stake des West Dartmoor Working Gundog Clubs. Im enorm wildreichem Revier verloren viele Hunde ihre Beherrschung und machten Fehler. So auch Rasmus, der nach dem ersten Vorstehen mit Schussruhe einen sich drückenden Vogel lieber gepackt hätte: Ausgeschieden! Dabei hatte er doch bloss das Maul weit aufgesperrt... LOL 
Kettu hingegen holte sich hier einen FOURTH PRIZE. Ich bin stolz auf den alten Finnen!

Die Abschlusswoche verbrachten wir dann doch noch bei den Grouse Zählungen auf dem Moor. Hier konnte Liška nun endlich jene Erfahrungen sammeln, welche ich mir für sie so gewünscht hatte. Sie hat mich nicht enttäuscht. Ihr Vorsteh-Instinkt ist stark ausgeprägt, ihre Lauffreude ist enorm, ihre Führigkeit beachtlich. Nur die kleinen Vögelchen findet sie noch sehr attraktiv, aber das wird sich rasch verlieren. Besonders gefreut hat mich, wie sie mit allen Ablenkungen wie andere Hunde, Menschen, Schafe, sehr gut zurecht kommt und sich auf ihre Arbeit konzentrieren kann. Für einen jungen Hund ist dies nicht selbstverständlich. Das langsame Vorgehen über die ersten anderthalb Jahre ihres Lebens zahlt sich nun aus: Liška ist eine vielverprechende junge Hündin mit ausgeglichenem Charakter. Ich freue mich auf die kommenden Abenteuer. Das Training bei Florian Coulon im Französischen Jura hat sich bewährt und wird weiter geführt. 

Bis hier hat unsere Seniorin Annie im Bericht keine Erwähnung gefunden. Das geht natürlich gar nicht!
Annie hat ihre Ferien in vollen Zügen genossen und durfte täglich auf den Feldern um unser Ferienhäuschen nach Belieben Hasen und Fasane schnuppern! Sie blüht jeweils richtig auf, wenn sie wieder in die Jagdreviere darf. Das Moor hingegen ist für Annie tabu, denn da vergisst sie jede Vernunft und würde sich überanstrengen. Sie ist es, welche den Luxus geniesst und bei unserem beliebten "Bed & Breakfast" sogar in den Frühstückraum darf und extra Kuscheleinheiten einfordern darf. Sie findet: im Alter von 13 Jahren ist etwas Luxus nicht nur zu erwarten sondern aktiv einzufordern! Recht hat sie ja. 

Annie war nach den Ferien wieder für ihre monatlich Physiotherapie in Behandlung. Da wurde ihre gute Gesundheit bemerkt und sogleich eine ärztliche Verordnung für "Schottland, alle drei Monate" verschrieben...  Danke Simone Zulauf von Physio for Friends, St. Urban, für die hervorragende Betreuung von Annie. Kettu wird wohl der nächste Patient sein, wenn er derart kopflos ins Alter hinein rast! 

Nun sind alle Hunde und Menschen gesund und munter zurück in der Schweiz. 

Unten: Fotografische Eindrücke. 

2024 Herbst auf der Insel Lewis: Bilder sagen mehr als tausend Worte...

2023 - Vom nassen Sommer in Grossbritannien zur Hitzewelle in den Tiroler Alpen

Den ausführlichen Bericht zu den Trials in Grossbritannien finden Sie hier Working Reds in the UK 2023

Puppy Derby & Novice Trial im Juli wegen Regen und dichtem Nebel abgebrochen
Puppy Derby & Novice Trial im Juli wegen Regen und dichtem Nebel abgebrochen

Dieses Bild steht bezeichnend für unsere Trial Saison in Grossbritannien im Jahr 2023. Das Wetter war nicht auf unserer Seite. Der März war des nässeste seit 50Jahren, der Juli ebenso... und zu Hause dann der wärmste August seit Messbeginn!

Glücklicherweise gab es dennoch ein paar schöne Tage zu Beginn des Monate und wir konnten mit den Hunden auf die Hochmoore zu den Grouse Zählungen. Dazwischen hatte ich meine Hunde zu fünf Open Trials gemeldet, von denen drei kurzfristig abgesagt wurden. Mit kurzfristig meine ich: am Morgen der Prüfung. So blieb oftmals nur die Variante "Hundespaziergang im Regen" und anschliessend ein Café aufsuchen, welches um 10 Uhr öffnet. Danach treten die Triallers ihre meist lange Heimfahrt wieder an.

Die paar Trials, welche stattgefunden haben, verliefen aus unserer Sicht durchzogen: Mal machten beide Hunde schon früh Fehler oder hatten Pech, das andere Mal schafften es sowohl Rasmus als auch Kettu in die zweite Runde, konnten aber trotz Vorstehen die Grouse nicht zeigen (Kettu) oder haben den Partner nicht sekundiert (Rasmus).
Die Open Trials sind hart! Sie beginnen jeweils mit bis zu 45 Hunden, aber in den Preisen klassieren können sich im Schnitt nur drei bis vier Hunde.

Ende Juli fand das Champion Stake der besten Hunde statt. Teilnehmen darf nur, wer in den vorangegangen zwei Jahren einFirst oder Second in Open gewonnen hat. Dieses Jahr fand dieser über zwei Tage abgehaltene Wettkampf in Bollihope, County Durham, Nord-England statt. Es war ein traumhaft schönes Moor mit einem sehr guten Wildbesatz. Über die zwei Tage hinweg konnten sich die Besten messen. Für Steve Robinson endete des Champion Stake mit einen hervorragenden Resultat: Er durfte mit drei seiner Irish Setter den Sieg, den dritten und den vierten Platz einnehmen. Auf Rang zwei stand Terry Harris mit seiner Pointer Hündin.

Steve Robinson mit seinem grossartigen Trio von Irish Setter aus Arbeitslinie
Steve Robinson mit seinem grossartigen Trio von Irish Setter aus Arbeitslinie

Zurück in der Schweiz rollte die grosse Hitze an... und es war im Unterland nicht mehr auszuhalten. So sind wir für ein paar Tage in die Alpen "entflohen". Auch in der Höhe war es noch immer sehr heiss, aber wir konnten doch ein paar sehr schöne Wanderungen unternehmen und in der Nacht sanken die Temperaturen auf ein erträgliches Mass.

Flucht vor der Sommerhitze 2023
Flucht vor der Sommerhitze 2023

2022 - ein heisser Sommer auf den Britischen Inseln

Der Sommer 2022 ist lang... und entgegen unseren Erwartungen war der Britische, Schottische und Irische Sommer der heisseste seit Menschengedenken. Die übliche Flucht in den Norden vor der hiesigen Hitze war somit nur bedingt erfolgreich: oftmals kletterten die Temperaturen auf die 30 Grad Marke und so konnte die Arbeit mit den Hunden auf den Mooren nur eingeschränkt stattfinden. Etliche der Field Trials wurden zum Schutz von Mensch und Tier abgesagt. Annullationen wegen Pandemie, Kälte, Wind und Nässe bin ich mir inzwischen gewohnt. Die Hitze hingegen war eine neue Erfahrung!

 

Trotz allem sind wir mit sehr guten Erinnerungen im Gepäck wieder in der Heimat angekommen. So ist meine Freude gross, dass ich mit Kettu erstmalig am Britischen Champion Stake 2022 für Setter und Pointer teilnehmen durfte und er sich auf Anhieb für das Final am zweiten Tag qualifizieren konnte. Trotz grossem Einsatz war ihm eine Klassierung verwehrt - auch hier wurden die Suchen wegen der grossen Hitze kurz gehalten und Kettu hatte das Pech, als einer der wenigen Hunde nicht an Wild zu kommen. Somit konnte er sich trotz lobenswerter Leistung nicht klassieren. Enttäuscht war ich nur kurz, denn zu gross war die Freude an seiner gezeigten Leistung - und die netten Komplimente zum kleinen Fuchs machten jede Enttäuschung wett.

 

Ich nahm mit meinen zwei Rüden an mehreren Trials teil; beide Buben laufen in der höchsten Klasse, dem OPEN STAKE. Kettu hat in den vergangen Jahren schon etliche Platzierungen erreicht, aber der junge Rasi war bisher noch nicht auf dem erforderlichen Leistungsniveau. Doch jetzt, mit 4 1/2 Jahren ist auch er bereit für das OPEN. Er konnte sich gegen starke Konkurrenz behaupten (auch gegen seinen Vater) und erreichte einmal ein FOURTH PLACE und ein anderes Mal die Auszeichnung "CoM - Certificate of Merit". Rasmus zeigt einen hervorragneden Umgang bei der Witterung der Grouse: er hält die richtige Distanz beim Vorstehen, ist vorsichtig aber auch sehr frei beim Nachziehen und sehr gehorsam beim Auffliegen der Vögel. Nur die Systematik der Suche muss manchmal noch besser werden.
Auch Kettu war in Topform. Einen ersten Rang hat er nur mit sehr viel Pech verspielt: nachdem er drei Hasen respektiert und drei Ketten Grouse vorgestanden hatte, wurde ihm ein zurückgebliebenes Junggrouse zum Verhängnis, welches direkt in seiner Laufrichtung in der Heide sass und aufflog, ohne dass er es hätte wittern können. Ausgeschieden! Die Prüfungsbedingungen sind streng. Mehr Glück hatte er im Open Stake des Yorkshire Gundog Club als er nach zwei wunderbaren Läufen und drei Vorstehpunkten auf Grouse den FOURTH PLACE im OPEN erreichte.
Annie ist sehr stolz auf ihre die zwei Buben. Und ich bin es auch! 

 

In der arbeitsfreien Zeit durfte der Besuch an unserem Lieblingsstrand von Northumberland nicht fehlen. Da kamen Hunde und Menschen voll auf ihre Rechnung.

 

Wir haben die Zeit mit Freunden und alten und neuen Bekannten sehr genossen. Auch ein paar Besucher aus der Schweiz haben den Weg nicht gescheut. Die Natur und die Landschaft zu erleben ist immer traumhaft schön!

 

Unten einige Eindrücke von unserem "Hot Summer in the UK" - Fotos bitte anklicken.

Herbst auf der Hebrideninsel "Isle of Lewis"


September 2021 wagten wir eine weite Reise... noch weiter als die Schottischen Highlands. Das Ziel war die äussere Hebrideninsel Isle of Lewis. Eine wilde, traumhaft schöne aber oftmals stürmische grössere Insel im äusseren Nordwester von Schottland.
Ich lasse nun einfach die Bilder sprechen... 

Reisen zu Pandemiezeiten: Sommer 2021


Das Reisen hat uns sehr gefehlt. Sicher, es gibt auch in der Schweiz sehr schöne Flecken, aber das Fernweh hatte mich schon im Frühjahr erfasst und nicht mehr losgelassen. Den Sommer in der Schweiz verbringen anstatt mit den Hunden nach England und Schottland "auszuwandern" - das konnte ich mir kaum vorstellen. Meine Setter und ich sehnten uns nach den Trainings auf dem Moor und nach der grossartigen Natur auf der Britischen Insel. Wenn da nur CORONA nicht wäre... 

 

Fortsetzung folgt

 

 

Die Schweizer Bergwelt. Sommer 2020


Unsere Ferienpläne im Corona Jahr wurden mehrfach über den Haufen geworfen... So wurde im April die Reise nach Tschechien gestrichen und im Sommer mussten wir die Ferien auf der Schottische Hebrideninsel Lewis absagen. 
In der kurzen Zeit zwischen Öffnung der Grenzen und Reisefreiheit ohne Quarantäne in England oder Schottland schaffte ich es dennoch, mit den Hunden für die Grouse-Zählungen zu meinen Freunden nach Schottland zu fahren. Rückblickend ein enormes Glück, denn kurz darauf hat Schottland für einreisende Schweizer eine Quarantäne verordnet, und jetzt, Ende August, hat auch England wieder eine Quarantäne angeordnet.

So mussten wir uns überlegen, wo wir den heissen Sommer verbringen wollten: in der schönen Schweiz.
Wir verbrachten ein paar Tage in den Alpen und versuchten, der grossen Sommerhitze im Unterland von 30°+ zu entfliehen. Natürlich waren wir nicht die Einzigen mit dieser grossartigen Idee... Es war nicht ganz einfach, eine Unterkunft zu finden, in der unsere drei Hunde willkommen waren.  Im Hotel Roseg wurden wir fündig: ein wirklich hundefreundliches Hotel! Da sich das Hotel in einer verkehrsfreien Naturschutzzone befindet, mussten die Hunde mehrheitlich an der Leine sein. Trotzdem kamen sie auf ihre Rechnung, denn sie schleppten uns täglich die Berge hoch. Einzig die brave Annie durfte ohne Leine unterwegs sein, denn mit ihren 8 Jahren ist sie immer brav und lässt sich weder von Murmeltieren noch Reh vom schmalen Weg der Tugend abbringen. Für Kettu und Rasmus hätte ich die Hand nicht ins Feuer gelegt! Die zwei Burschen  waren somit immer im Brustgeschirr als unsere Zughunde tätig. E-Bike brauchen wir nicht, wir haben E-Rasmus!

Das Fazit: die Schweizer Bergwelt ist wunderschön, aber im Sommer von Gleichgesinnten wahrlich überlaufen. Mit den Hunden ist es bedeutend entspannter, wenn wir in den kühlen Norden fahren können, wo sie auf den weiten Stränden frei laufen dürfen. 

Sommer 2020


Die etwas andere Reise. März 2020


Freitag, den 28. Februar 2020

Tierarzt-Termin für die obligate Reisevorbereitung meiner Hunde: für die Einreise nach Grossbrinannien ist eine amtlich beglaubigte Wurmkur im Zeitraum von 24 - 120 Stunden vor Einreise erforderlich. Erstmals in der Tierarztpraxis stand ein Händedesinfektionsmittel bereit. In der Schweiz waren die ersten Fälle von Corona Virus Infektion bekannt geworden.

 

Sonntag, den 1. März 2020
Ich hatte Rasmus zur Nationalen Hundeausstellung in Münsingen gemeldet. Die Infektionskrankheit COVID-19 breitete sich von Italien her aus. Ich hatte kurzfristig entschieden, die Ausstellung doch nicht zu besuchen. Kurzfristig haben auch die Organisatoren den Anlass abgesagt. Eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellte.

 

Montag, den 2 März 2020

Die Schweizer Regierung hatte kurzfristig die heute beginnende Basler Fasnacht abgesagt! Das gab es noch nie und war ein klares Zeichen, dass die Bedrohung ernst war. In der Schweiz wurden alle Ansammlungen ab 1000 Personen verboten.

Ich beschloss, bei meinen Freunden in Schottland nachzufragen, ob mein Besuch nach wie vor willkommen sei. Zu dem Zeitpunkt waren die Fallzahlen in der Schweiz bei 60 und in GB in tiefem zweistelligen Bereich. Schottland hatte keine COVID Fälle zu verzeichnen.
Eine vernachlässigbare Zahl, so schien es... Also würde ich resien.
Ich deckte mich nur vorsorglich mit Händedesinkfetionsmittel ein. 

 

Dienstag, den 3. März 2020

Abreise. Vor uns 1'500 km. Im Gepäck genug Hundefutter für drei Hunde für vier Wochen und der Papierkram mit allen gebuchten Überfahrten (Eurotunnel), Unterkünften (Kent, Schottland, den Highlands, Yorkshire und Frankreich) und allen Meldeunterlagen für diverse Prüfungen mit den Hunden. Die Hemreise war erst auf Ende März vorgesehen.
Ich hatte noch nie ein derart dicht gedrängtes Programm wie für das Frühjahr 2020. Im April hatte ich einen Termin zum Richten in Deutschland, danach zu den Frühjahrsprüfungen in Tschechien, schliesslich standen die Deutschen und Schweizer Prüfungen an. Es sollte alles anders kommen.

 

Mittwoch, den 4. März 2020

Ich hatte es vorgezogen, im Hotel in Kent (Süd-England) weder das Nachtessen im Restaurant einzunehmen, noch morgens in den Frühstückraum zu gehen. Ich wollte die Distanz zu meinen Mitmenschen zu wahren obwohl ich mir dabei reichlich hysterisch vorkam! Immerhin waren weder Reisebeschränkung noch sonstige Empfehlungen abgegeben worden. 
Um 6 Uhr in der Früh war ich auf Achse und erreichte um 14 Uhr Nachmittags schon mein erstes Ziel: den wunderbaren Strand in der Nähe von Berwick-upon-Tweed in Nordengland. Endlich konnten die Hunde ihre aufgestaute Energie ablassen. Sie rasten über den weiten Strand, unbändig vor Freude! Das war es, was uns so lange gefehlt hatte: nach der engen Schweiz die unendliche Weite und das Meer! Die Liebe zum Meer muss tief in meinen Genen verankert sein... 

 

Die nächsten zwei Wochen waren geprägt von Ausflügen an den Strand und Arbeit auf dem Moor. Die Grouse Zählungen sind ein wichtiger Aspekt bei der Betreuung der Moore durch die Jahgdhüter. Nur so haben sie einen Anhaltspunkt, wie sich der jährliche Bestand der Schottischen Moorhühner entwickelt. Im Frühjahr werden die Anzahl Paare auf eine Fläche gezählt, im Sommer die Zahl des Nachwuchses. Aufgrund dieser Zahlen können die Abschussquoten festgelegt werden. In einem schlechten Brutjahr wird der Bestand geschont. Für die Zählungen leisten die Setter und Pointer wertvolle Arbeit. 

 

Sonntag, 15. März 2020 
Während den zwei Wochen wurden die Nachrichten von Tag zu Tag bedrückender. Das Corona-Virus hatte Europa fest im Griff und die Fallzahlen in Grossbritanninen stiegen rapide an. Mir schien, die Nachrichtensprecher am Britischen Fernsehsender BBC waren betont entspannt, während die Nachrichten aus Italien und Frankreich immer bedrohlicher wurden. Ich verfolgte egspannt die Nachrichten aus der heimat und realisierte, dass von Grenzschliessungen die Rede war. Bald wurde mir klar, dass mein geplanter Aufenthalt und die Prüfungswoche in Nord-Schottland nicht realisierbar waren. Noch zögerte ich, das Land fluchtartig zu verlassen: zu sehr wollte ich die Tage mit den Hunden auf dem Moor genissen. Doch der Ernst der Lage wurde von Tag zu Tag klarer. Am Montag, 16. März wurde das Auto beladen und am Dienstag, 17. März, dem Tag des Lockdown in Frankreich, war ich bereits auf der Fahrt von Kelso nach Folkestone, bereit für die Heimfahrt durch Frankreich in die Schweiz. Würde mich Frankreich durchreisen lassen? Ein Moment der Panik entstand, als ich auf einer englischen Raststätte mit der Schweizer Botschaft Kontakt aufnahm: sie wussten nicht, ob ich durch Frankreich fahren dürfe - aber in die Schweiz einreisen dürfe ich auf jeden Fall! Gut. Nun folgte etwas Hektik. Schliesslich konnte Thomas in der Schweiz die Französische Botschaft kontaktieren und wurde informiert, dass ich mit einem amtlichen Formular durch Frankreich fahren dürfe. Glücklicherweise hatte ich noch eine Hotelübernachtung im Süden von England gebucht, so konnte ich mir das Formular ausdrucken lassen. 

Am Mittwoch 18. März dann der Check-In beim Eurotunnel in Folkestone. Ich beobachtete, wie ein Auto nach dem anderen wenden musste. Meine Anspannung war riesig, doch nach einem kurzen Wortwechsel und dem Vorzeigen des amtlichen Formulars für Frankreich mit Begründung des Transits in die Schweiz kamen die erlösenden Worte: "Vous pouvez passer, Madame!"
Die 700 km lange Fahrt durch Frankreich war ein Erlebnis ganz besonderer Art. In Frankreich hatte soeben ein strenges Lockdown begonnen. Die Strassen waren leer, niemanden durfte das Haus verlassen. Nur LKWs mit wichtigem Auftrag waren auf den Strassen. Die Gendarmerie machte an den Mautstellen der Autobahn regelmässig Kontrollen. Wir wurden stets durchgewunken.

Die Erleichterung war gross, als ich schliesslich die Schweizer Grenze Basel - Saint Louis überqueren konnte. Vom Zöllner wurde ich sehr freundlich als Heimkehrerin aus der Fremde begrüsst. Woher ich denn jetzt anreise? Auf meine Anwtort entstand ein kurzes, begeistertes Gespräch über die Schönheiten von Schottland. Er wolle im Mai auch nach Schottland in die Ferien, sagte mir der Zollbeamte. Er sei optimistisch, dass er seine Reise bis dahin antreten könne. Ich hoffe, dass der nette Herr irgendwann die Schönheiten von Schottland erleben darf!

Ende Juni 2020

Unten: die Hunde an unserem Lieblingsstrand